Institut für Geographie und Geoökologie (IFGG)

Nachruf für Prof. Dr. Alfred WirthmannAlfred Wirthmann

Am 28.7. 2020 verstarb Alfred Wirthmann im Alter von 92 Jahren in Maximiliansau / Südpfalz, wo er in den letzten Jahren zurückgezogen im Kreise seiner Familie lebte. Seit 1968 fand der Unterfranke hier, nach seinem Wechsel auf die ordentliche Professur für Geographie an die Universität Karlsruhe, heute Karlsruher Institut für Technologie, seine zweite Heimat.

Alfred Wirthmann wurde am 30.12. 1927 in Nüdlingen/Unterfranken geboren und verbrachte dort seine Schulzeit, die leider im 2. Weltkrieg durch die Einberufung als Luftwaffenhelfer und Soldat und anschließende Gefangenschaft in Polen unterbrochen wurde. 1948 schloss er die Schulzeit mit dem Abitur an der Oberrealschule in Bad Kissingen ab und er konnte endlich seine erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn starten.

Im gleichen Jahr begann er das Studium der Geographie, Geologie, Biologie und Chemie an der Universität Würzburg und erwarb sich ein breit gefächertes naturwissenschaftliches Wissen als Grundlage für den weiteren beruflichen Werdegang. Der Studienabschluss im Jahre 1953 und die Promotion 1956 waren die weiteren Qualifikationen, bevor er 1962 mit der Habilitation für Geographie die Befähigung zur Bewerbung als Hochschullehrer erwarb. War das Thema der Promotionsschrift noch heimatverbunden, regional orientiert, „Grundlagen des Obstbaus in Unterfranken“, so zog es ihn, schon typisch Geograph, beim Habilitationsthema auf die globale Ebene. Seine Tätigkeit am Geographischen Institut als wissenschaftlicher Assistent und seine Funktion als stellvertretender Leiter von mehreren Expeditionen nach Spitzbergen, deren Initiator Julius Büdel war, schufen die inhaltlichen Voraussetzungen zur Habilitationsschrift über die Landformen der Edge-Insel in Südost-Spitzbergen. War hiermit schon seine Liebe zu Inseln gelegt?

Im Anschluss an die Habilitation wurde Alfred Wirthmann vom Dienst an der Universität beurlaubt, um eine Stelle an der Unesco in Paris antreten zu können. Im Department Naturwissenschaften, Sektion natürliche Ressourcen, wurden die feuchten Tropen sein hauptsächliches Arbeitsgebiet, sie sollten auch weiterhin sein Forschungsschwerpunkt bleiben.

1965 kehrte Alfred Wirthmann nochmals ans Geographische Institut der Universität Würzburg zurück, wo er bis 1968 als Universitäts-Dozent arbeitete.

1968 wurde er auf die Stelle eines ordentlichen Professors ans Institut für Geographie der Universität Karlsruhe berufen und trat am 1.5.1968 diese Stelle an. Es begann eine lange Zeit weiterer, erfolgreicher wissenschaftlicher Forschungstätigkeit, aber besonders auch eine für das Karlsruher Institut zukunftsweisende Arbeit in der akademischen Selbstverwaltung. Verstärkt widmete sich Alfred Wirthmann der Erforschung tropischer Inseln, seine ganz besondere Liebe gehörte zweifelsfrei Hawaii. Klimamorphologisch in Würzburg durch Julius Büdel geprägt, verschob Alfred Wirthmann den Focus morphologischer Forschung wieder ein Stück in Richtung endogener Faktoren und stellte neben dem Klima besonders auch die Bedeutung der Petrovarianz als formprägend heraus.

Seine breiten Kenntnisse, sowohl der Polargebiete, als auch der Tropen, machten ihn zu einem gefragten Mitglied der Kommission für Geomorphologie und Glaziologie der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Von der breit gefächerten naturwissenschaftlichen Ausbildung während seines eigenen Studiums überzeugt, sah er darin die berufliche Chance für zukünftige Geowissenschaftler. So diskutierte und entwickelte er federführend zusammen mit seinen Fakultätskollegen, aber auch darüber hinaus, einen auf Karlsruhe angepassten, instituts- und fakultätsübergreifenden Studienplan für einen neuen Umweltstudiengang, der Geoökologie. Dabei waren ihm sicher die Kontakte, die er als Dekan der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften in den Jahren 1970 bis 1972 und 1974 bis 1976 knüpfen konnte, äußerst hilfreich. Auf seine Initiative wurde im Jahre 1986 an der Universität Karlsruhe, neben Bayreuth als zweitem Standort bundesweit, der Diplomstudiengang Geoökologie eingeführt. Die enorme Nachfrage nach Geoökologinnen und Geoökologen aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft gaben Alfred Wirthmann im Nachhinein recht. Aber nicht nur der Wissenschaftler Alfred Wirthmann war von Kollegen, Mitarbeitern und Studierenden allseits geschätzt; sehr geschätzt war besonders der persönliche, freundliche Umgang, den er als Institutsleiter, Hochschullehrer oder Kollege pflegte. Sei es in Vorlesungen, Sitzungen oder Gesprächen, seine auflockernden Kalauer waren ein stets erwartetes, unterhaltsames Highlight. Neben dem inhaltlichen Interesse waren es sicher auch diese persönlichen Erinnerungen, die ehemalige Studierende und Gäste zu den abendlichen Vorträgen in die Geographischen Gesellschaft Karlsruhe lockten, die Alfred Wirthmann über mehrere Jahre leitete.

Auch nach der Emeritierung am 31.3.1996 kam Alfred Wirthmann noch regelmäßig zur Alma Mater über den Rhein nach Karlsruhe. Wir werden ihn als engagierten Forscher und Lehrer sowie als geschätzten Kollegen in bester Erinnerung behalten.

Dr. Dieter Burger (Professor i. R.), Troisdorf