Auwälder im Klimawandel: Waldbauliche Empfehlungen für die Auwaldbewirtschaftung in Hinblick auf Klimaschutz, Biodiversität und Ökonomie

  • Ansprechpartner:

    Mareike Roeder

  • Förderung: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  • Starttermin: 02/2018
  • Endtermin: 12/2020

Die Forstwirtschaft in Auen sieht sich aktuell mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Das Baumartenspektrum auf den für die Bewirtschaftung von Wäldern nicht ganz einfachen Auenstandorten ist von Natur aus eingeschränkt. In der Vergangenheit setzte man vielerorts auf die Begründung von eschenreichen Beständen und naturfernen Monokulturen von Hybrid- und Balsampappel. Die Auwaldbaumart Esche ist derzeit aufgrund des Eschentriebsterbens in ihrer Entwicklung und Verbreitung massiv gefährdet. Dies erinnert an das Sterben der Ulme im letzten Jahrhundert und an die Schwarzerle, die in den letzten 20 Jahren insbesondere entlang von Gewässern durch neuartige Erreger (Erlen-Phytophthora) stark dezimiert wurde. Für diese Baumarten müssen „Ersatzbaumarten“ heimisch oder nicht heimisch gefunden werden, die den Anspruch an Naturschutz und Ökonomie erfüllen. Die heimische Eiche gehört dazu, aber ihre natürliche Verjüngung ist in der Aue schwierig und ihre künstliche Verjüngung kostspielig. Waldbesitzer und -bewirtschafter sehen daher in der Begründung von Pappelkulturen oftmals wieder die einzig wirtschaftlich rentable Option. Doch der Anbau von nichtheimischen Pappeln und Pappelhybriden in den Auen in Monokultur wird aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch beurteilt, da sich dieser aufgrund der vorherrschenden Gleichaltrigkeit, Strukturarmut, derkurzen Umtriebszeit und im Falle von Balsampappeln schwer zersetzbarem Falllaub negativ auf die biologische Vielfalt auswirkt. Dabei sind die von Flächenverlusten stark betroffenen Flussauen und Auenwälder Hotspots der Biodiversität und daher für den Erhalt unzähliger Arten und zahlreicher Lebensraumtypen von herausragender Bedeutung. Dies spiegelt sich in der weitflächigen Unterschutzstellung (Natura2000-Gebiete, Naturschutzgebiete etc.) der deutschen Flussauen wider.

Zu dieser grundsätzlichen Problematik kommen die Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen Baumarteneignung für die vom Klimawandel besonders stark betroffenen Auenflächen. Gleichzeitig sind naturnahe Flussauenökosysteme als effektive Kohlenstoffsenken besonders geeignet, CO2-Überschüsse zu speichern. Möglicherweise lässt sich dieser Effekt durch eine naturnahe Auwaldbewirtschaftung mit regelmäßiger Holzentnahme zur Bindung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten sogar noch steigern. Auch der vorsorgende Hochwasserschutz fordert mehr Fläche entlang der Fließgewässer zur Aufnahme von Hochwassern, dabei können Auwälder zur Verringerung der Fließgeschwindigkeit und
zum Schutz des Bodens vor Erosion beitragen. Diese Funktion der Auwälder ist von besonderer Bedeutung da in Folge des Klimawandels Starkregenereignisse mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmen werden. Dies alles erfordert ein Umdenken in der Auwaldbewirtschaftung und neue Konzepte (Waldentwicklungstypen), die die Belange der Forstwirtschaft (Ökonomie) auf der einen Seite und den Forderungen des Klima- und Naturschutzes auf der anderen Seite gleichermaßen berücksichtigen. Die Definition solcher Waldentwicklungstypen ist das übergeordnete Ziel des Projektes.

In fünf Forstbetrieben an den Flüssen Donau, Lech und Rhein werden verschiedene Bewirtschaftungsvari anten (inklusive Außer-Nutzung-Stellung) auf Standorten der rezenten Aue und Altaue untersucht und hinsichtlich ihres ökonomischen, ökologischen und klimaschutzfachlichen Wertes beurteilt. Parallel dazu werden Beobachtungsflächen in den beteiligten Forstbetrieben eingerichtet, um verschiedene Waldbaukonzepte (z. B. Femelhiebe) auf ihre Praxistauglichkeit im Auwald zu überprüfen. Anhand von Recherchen werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Auwaldwirtschaft (veränderte Standortbedingungen und Baumarteneignung) prognostiziert. Die Rolle der Bodenorganismen im Kohlenstoffhaushalt der Auwälder wird herausgearbeitet. Die Ergebnisse aus der Erhebung werden in Bezug auf die erwarteten Klimaänderungen analysiert und Anpassungsoptionen
aufgezeigt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie die Erfahrungen aus dem Praxisteil fließen in die Definition der Waldentwicklungstypen ein. Für die praktische Umsetzung durch den Waldbesitzer werden die Projektergebnisse anwenderbezogen in Form eines Merkblattes und einer Informationsbroschüre aufbereitet. Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Erhebungsphase wird ein Indikatorensystem und Monitoringkonzept entwickelt, womit der Zustand eines Auwaldstandortes und die Auswirkungen waldbaulicher Maßnahmen in den Bereichen Biodiversität, Klimaschutz und Ökonomie überprüft werden kann.