Oberrhein VITAL – der Vitis vinifera sylvestris Arten-Management-Leitfaden für die Naturschutzpraxis

  • Contact:

    Marion Werling 

  • Funding:

    Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg

Die Europäische Wildrebe (Vitis vinifera ssp. sylvestris) ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Sie zählt in Baden-Württemberg zu den am stärksten gefährdeten Pflanzenarten (Rote Liste 1: vom Aussterben bedroht). Die letzte "größere" Wildrebenpopulation Deutschlands befindet sich auf der Rheininsel bei Ketsch. Die Wildreben-Vorkommen am Oberrhein zählen zu den größten in ganz Mitteleuropa. Baden-Württemberg trägt somit eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art.

Die Wildrebenbestände sind mit dem Rückgang naturnaher Hartholzauen stark dezimiert worden. Zudem erschwert die besondere Autökologie der Art die Realisierung effektiver Erhaltungsmaßnahmen. Die Wildrebe kann sowohl mit Kulturrebsorten, als auch mit amerikanischen Wildreben-Unterlagen der Kultursorten hybridisieren. Dies gefährdet die kleinen Restbestände, welche oftmals voneinander isoliert sind und teilweise nur aus weiblichen oder männlichen Pflanzen bestehen. Naturverjüngung findet extrem selten statt. Bestandsstützende Wildreben-Anpflanzungen zeigten bislang nur bedingten Erfolg, eine erneute Kontrolle aller Bestände ist dringend notwendig. Dies macht deutlich, wie groß der Wissensbedarf hinsichtlich geeigneter Standorte, Pflanzabstände und der Bestandspflege ist. Es muss dringend geklärt werden, unter welchen Bedingungen Naturverjüngung, Bestandsvernetzung, Minimierung genetischer Introgression und Hybridisierung sowie ein effektives Monitoring erreicht werden können.

Die Sensibilisierung der im Wildreben-Gebiet aktiven Nutzergruppen ist von enormer Bedeutung, da im Zuge von Nutzung und Pflege der Gebiete regelmäßig Wildreben zu Schaden kommen. Wegen der sehr geringen Individuenzahl stellt dies mittlerweile eine enorme Gefahr für die Art dar.

Im Projekt Oberrhein VITAL wurden verschiedene Aspekte behandelt, die der Aktualisierung des Wissensstands zur Wildrebe in Deutschland dienen; die offene Fragen hinsichtlich der Autökologie der Wildrebe klären und darauf aufbauend der Entwicklung von Strategien im Wildreben-Management dienen.

Hierzu wurden bestehende Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und ausgewertet, Literatur recherchiert, Daten im Gelände erhoben, Experimente im Gelände und unter kontrollierten Bedingungen in Klimaschränken sowie genetische Analysen durchgeführt, Managementmaßnahmen in Wildrebenbeständen umgesetzt und Karten erstellt.

Ein zusammenfassender Managementplan sowie umfassende Konzepte im Bereich Monitoring, Leitbildentwicklung, Habitatvernetzung und Sensibilisierung wurden erarbeitet.

Info_Faltblatt_Wildrebe.pdf