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Über Auen

Auen sind die natürlichen Überschwemmungsflächen entlang von Gewässerläufen. Flüsse und ihre Auen bilden eine Einheit. Sie gehören zu den artenreichsten und zugleich am stärksten bedrohten Lebensräumen in Europa. Auen bieten eine Vielzahl von mosaikartig verzahnten Lebensräumen und beherbergen zwei Drittel aller Lebensgemeinschaften Mitteleuropas auf nur etwa sieben Prozent der Landfläche. Auen können beachtliche Wassermengen aufnehmen und so mithelfen, Hochwasserwellen zu dämpfen. Renaturierungen von Auen dienen daher zugleich auch dem Hochwasserschutz. Gleichzeitig sind sie biologische Kläranlagen des Flusses: Das einströmende Wasser wird gereinigt, wesentlich stärker als im Fluss selbst. Auen helfen, Flüsse biologisch, physikalisch und chemisch stabil zu halten, sie sind die Nahrungsgründe und Kinderstube für Fische und Amphibien.

Wo die Auen noch weitgehend naturbelassen sind, wie beispielsweise an der Loire, zeigen sie ihre volle Dynamik: Altarme neben dem Strom, hohe, trockene Kiesrücken und flache, feuchte Senken, weite Schlammbänke, vegetationsfreie Steilufer und dichte Weidenwälder entstehen und vergehen durch die landschaftsgestaltende Kraft des Flusses. An diese dynamischen Prozesse haben sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angepasst.

Solange es Menschen gibt, nutzen sie die Auen. Fast alle alten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte sind in Flussauen entstanden. Doch erst in den letzten 200 Jahren sind große Auenbereiche ganz oder teilweise vom Fluss abgetrennt, zerstört und großflächig verbaut worden. Zahlreiche ehemalige Überflutungsflächen sind heute für landwirtschaftliche Nutzungen, Industrie- und Siedlungsflächen trockengelegt. Durch Begradigungen, Staustufen, Deichbau etc. hat der Mensch streckenweise die Hochwassergefahr gebannt, flussabwärts dagegen nicht selten erheblich vergrößert. Am Oberrhein gingen seit 1955 ca. 130 km² Auen (=Hochwasserrückhalteraum) verloren, zudem fließt eine Hochwasserwelle heute viel schneller von Basel nach Karlsruhe und kann sich dadurch mit den Hochwasserwellen der Nebenflüsse überlagern.

Auen werden auch durch andere flächenbezogene Nutzungen wie Kies- und Sandgewinnung oder unkontrollierte Freizeitnutzung zerstört. Außerdem fordert auch intensive Forstwirtschaft ihren Tribut: Monotone Pappelplantagen verdrängen artenreiche Hartholz-Auenwälder. Dadurch verlieren auch viele seltene Vogelarten wie etwa der Mittelspecht und Insekten wie der Heldbock ihren natürlichen Lebensraum.

Doch vielerorts lassen sich Auen durch Renaturierung wiederbeleben: Unverbaute Flächen können z.B. durch Deichrückverlegung wieder an das Gewässer - und damit an die natürliche Dynamik des Stromes - angebunden werden. Zudem ist der Wiederanschluss der Auen an die Flüsse der umweltverträglichste und zugleich preiswerteste Hochwasserschutz. Die Lebensgemeinschaften der Aue sind an Überschwemmungen gewöhnt, benötigen sogar die mehr oder weniger regelmäßige Überflutung.

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