Herausforderungen der Standortwahl kultureller Infrastrukturen

Teilprojekt: Festivals als Infrastrukturen im öffentlichen Raum

Festival M. Müller-Gmelin
Festivalbeflaggung
Festival M. Müller-Gmelin
Festival im Karlsruher Tollhaus

In vielen Städten und Regionen Europas spielen Festivals eine bedeutende Rolle für das öffentliche kulturelle Leben. Dabei reicht die Spannbreite von quartiers- oder diversitätsbezogenen Eventreihen über traditionsreiche städtische Feste bis zu international renommierten Veranstaltungsreihen an verschiedenen Spielstätten innerhalb einer Stadt und darüber hinaus. Festivals können als temporäre soziale Infrastrukturen raumbezogene Identität stiften, ein Zusammengehörigkeitsgefühl befördern und die soziale Teilhabe ermöglichen. Sie offenbaren aber auch Aushandlungsprozesse sozialer Beziehungen im öffentlichen Raum, die durch differenzierte Geographien von Urbanität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit, Erinnerung und Machtgeometrien geprägt sind. Damit rücken Fragen nach den materiellen und sozialräumlichen Voraussetzungen und Auswirkungen von Festivals auf verschiedenen Maßstabsebenen in den Blick.

Für die Durchführung von Festivals bieten neben mobilen und temporären Gefügen häufig bestehende kulturelle Einrichtungen wie Kinos, Kulturhäuser oder Museen Räume, Möblierung, technische Ausstattung, Erfahrung und Personal. In diesem Teilprojekt interessiert uns der Einfluss dieser infrastrukturellen Kontexte auf veranstaltungsbezogene Praktiken und Bedeutungen von Festivals. Wir untersuchen dazu am Beispiel der „Festivalregion“ Rhein-Neckar

  • Standorte und Standortverlagerungen verschiedener regionaler Veranstaltungsreihen,
  • die Positionierungen und Argumentationen unterschiedlicher Akteure in den Standortdiskussionen (Festivalmacher, Kulturpolitiker, Künstler, Nachbarn),
  • veränderte sozial-kulturelle Bedeutungszuschreibungen im Verlagerungsprozess von Festivals.

 

Kontakt

Dr. Christoph Mager
Institut für Geographie und Geoökologie
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Kaiserstr. 12, 76131 Karlsruhe
E-Mail:
christoph.mager∂kit.edu
Tel.: +49(0)721 608 43838

 

M.Sc. Madeleine Wagner
Institut für Geographie
Universität Heidelberg
Berliner Str. 48, 69120 Heidelberg
E-Mail:
madeleine.wagner∂uni-heidelberg.de
Tel.: +49(0)6221 54 5565

 

Teilprojekt: Städtische Planung und die multiskalaren Herausforderungen der Standortwahl kultureller Infrastrukturen

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Standortwahl kultureller Infrastrukturen, den damit verbundenen Herausforderungen städtischer Planung und den unterschiedlichen Akteurskonstellationen im Aushandlungs- und Planungsprozess. In den letzten 40 Jahren wurden in vielen Städten alternative Kultureinrichtungen gegründet, um auf lokaler Ebene auf die sozialen und städtischen Krisen der Nachkriegsjahre zu reagieren. Ursprünglich als Basisbewegungen gestartet, spielen diese Einrichtungen heute eine wichtige Rolle in der lokalen Kulturlandschaft vieler Städte. Die Einrichtungen stellen zugängliche und dauerhafte Räume für Geselligkeit, kultureller Ermächtigung und die Verhandlung von Anliegen der Gemeinschaft dar.

Am Beispiel der Verlagerung des Heidelberger Kulturhauses Karlstorbahnhof aus der Altstadt auf eine zu entwickelnde Militärbrache in der Südstadt betrachten wir folgende Aspekte:

  • Standortwahl kultureller Einrichtungen
  • Positionierung unterschiedlicher Akteursgruppen zur Thematik
  • Bedeutung des Kulturhauses für die Stadt/Region
  • Einbettung in (über)örtliche Planungsprozesse

Methodisch werden wir neben einer detaillierten Dokumentenanalyse Interviews mit Vertretern aus Verwaltung, Region sowie Einrichtungen und Anwohnern in der direkten Nachbarschaft der Einrichtungen führen.

 

Publikationen

Mager, C. (2000): Kommunale Kulturpolitik und lokale Kulturarbeit. Dynamik und Entwicklungen des soziokulturellen Zentrums ‚Karlstorbahnhof‘ in Heidelberg. In: Journal der Heidelberger Geographischen Gesellschaft (HGG-Journal) 15, 164-183.

 

Der Karlstorbahnhof in der Heidelberger Altstadt, 2001 U. Förster
Das Kulturhaus Karlstorbahnhof in der Heidelberger Altstadt, 2001
M. Wagner
Der neue Standort des Karlstorbahnhofs: Arbeiten zum Umbau der ehemaligen Kutschenhalle auf dem Gelände der Campbell Baracks in der Heidelberger Südstadt, 2022

Teilprojekt: Standortstrukturen kultureller Infrastrukturen

Daten zu kulturellen Einrichtungen in Deutschland sind durch ein hohes Maß an Heterogenität hinsichtlich Verfügbarkeit und analytischer Vergleichbarkeit geprägt. Insbesondere vor dem Hintergund anhaltender Diskussionen um eine gerechte sozialräumliche Daseinsvorsorge mangelt es an quantifizierbaren und qualifizierbaren Grundlagen, welche über die Bereitstellung technischer Einrichtungen hinaus jene Angebote in den Mittelpunkt rücken, die das alltägliche soziale Leben ermöglichen, darunter Einrichtungen der Bildung und Kultur. Ziel dieses Projektteils ist es, Standortstrukturen kultureller Einrichtungen zu erfassen und zu analysieren.

 

Publikationen

Mager, C., Wagner, M. (2022): Kulturelle Infrastrukturen in deutschen Klein- und Mittelstädten. Eine Typisierung der Standortgemeinschaften von Einrichtungen der kulturellen Daseinsvorsorge. In: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Planning and Research 80(4), 379-396.

Wagner, M., Mager, C. (2021): Kleine Städte, k(l)eine kulturelle Ausstattung? In: Nationalatlas aktuell 15 [10.2021] 6.

Mager, C.; Freytag, T.; Hoyler, M. (2018): Soziokulturelle Einrichtungen in Deutschland – zeitliche Dynamik und räumliche Muster. In: Nationalatlas aktuell 12 [08.2018] 4.

Mager, C. (2017): Was liegt wo und weshalb? Standortstrukturen kultureller Einrichtungen in der Peripherie. In: KM Magazin - Kultur und Management im Dialog, Nr. 126 (September 2017), 7-10.

Mager, C. (2014): Alternative kulturelle Einrichtungen in deutschen Städten und Gemeinden – ein Beitrag zur Kritik ökonomischer Perspektiven auf Kreativräume. In: Raumforschung und Raumordnung 72(4), 477-489.